HASSLACH - Erst kürzlich meinte eine Kundin zum Ortsvorsitzenden der Kommunikationsgewerkschaft DPVKOM Alfred Wich: Herr Postrat, sie
haben einen schönen Beruf. Sie können bei schönem Wetter spazieren gehen, während andere in den Betrieben schuften. Sie können ihr
Arbeitstempo selber einteilen und nach Lust und Laune ein Schwätzchen halten. Außerdem werden doch eh nicht mehr viele Briefe
geschrieben.
Dass dieser Job nur Schokoladenseiten hat, dies glauben wohl so manche, meinte der DPVKOM-Vorsitzende. Aber gemütliches Arbeiten bei
der Post sei ein Ammenmärchen, sonst bräuchte man keine DPVKOM und keine Betriebsräte. Postler und Telekomler haben sich organisiert.
Weil es in der Arbeitswelt immer mehr Nachteile für Beschäftigte gibt müssen wir umso mehr unsere Stimme erheben. So werden bald
1000 Beschäftigte der bisherigen Niederlassung Bamberg Nachteile erfahren, wenn Sitz und Personalvertretung nach Würzburg verlegt werden.
Ein guter Betriebsrat müsse vor Ort sein, um den Menschen helfen zu können. Da nützen auch unpersönliche
Betriebsrats-Hotlines nichts. Sieben Neueintritte stehen zwei Austritten und vier Todesfällen gegenüber. Regelmäßig nehme der Verband
an den Stammtischen des Bayerischen Beamtenbundes (bbb) teil. Wich rief die Mitglieder zu noch mehr Teilnahme auf. Mit Rolf Habermann an der Spitze sei der
bbb in äußerst engagierten Händen. Habermann gebe alles, um allen Mitgliedsverbänden bestmöglich zu helfen.
Die Zusteller mussten das ehemalige Postamt in Kronach verlassen, dies gehörte zu den größten betrieblichen
Veränderungen. Die Immobilienfirma der Post wollte das historische Gebäude vermieten oder verkaufen. Die Frachtzustellung wurde wieder in die
Verbundzustellung überführt. Deshalb werde es wieder mehr Landzusteller geben.
Den Kollegen werde das neue Gebäude in der Industriestraße als Vorteil verkauft, es weise aber sehr begegnete
Platzverhältnisse auf. Da sehne sich mancher Postzusteller in das alte Gebäude zurück. Weitere Ereignisse war die Verabschiedung der
Zwillinge Bernhard und Siggi Schneider in den Ruhestand. Die Naturbühne in Trebgast wurde besucht, wie auch der Weihnachtsmarkt in Regensburg. Die
Kassenprüfer Eberhard Hofmann und Siggi Schneider bescheinigten Kassierer Peter Seidel eine vorbildliche Kassenführung.
Es stehen sehr große Herausforderungen vor uns, erläuterte der DPVKOM-Landesvorsitzende Karlheinz Vernet Kosik
(Mitglied im bbb-Hauptvorstand). Wir leben momentan in einer verrückten Zeit. Angesichts der derzeitigen Streiks gegen
Arbeitszeitverlängerung konnte Kosik umso weniger verstehen, dass Verdi vor zwei Jahren einen Tarifvertrag unterschrieb, der den
Postzustellern bis zu 48 Arbeitsstunden aufdrückte. Der Durchschnitt bei den Zustellern liege nun bei 42 Stunden - also vier Stunden mehr. Bei zehn
Zustellern werde schon ein Arbeitsplatz eingespart.
Kündigungen trotz guter Gewinne
Verrückt sei, dass die Post Milliardengewinne mache, aber viele Schalterbeschäftigten in die Wüste schicke und 200
Filialen schließe. Hermes habe der Post 30 Prozent Marktanteil abgejagt. Bei einer besseren und kundennäheren Beratung wäre wohl vieles
besser gelaufen. Vehement wandte sich Kosik gegen vermehrte Teilzeitzustellung. Den Auszubildenden wurden nach dem Abschluss Arbeitsplätze mit 900
Euro netto angeboten. Dies sei nicht der Weg eines Weltkonzerns, der Milliardengewinne macht. Die Post sei ein hocheffizientes Unternehmen, das satte
Gewinne macht - mehr als die Hälfte davon im Ausland. Grundsätzlich sei dies gut so, aber berge auch Gefahren.
Die Gewerkschaft versuche die Politik zu überzeugen, dass die Aufgabe des Postmonopols über 2007 hinausgeschoben werden
müsse. Warum sollen die Deutschen die Vorreiterrolle im Postmarkt übernehmen und die Briefzustellung freigeben?, fragte Kosik. Frankreich wolle
nachdenken, bis 2009 die höhere Gewichtsgrenze von 100 Gramm zu verringern. Wenn Monopole aufgelöst werden, müsse dies für alle in
Europa zum gleichen Zeitpunkt geschehen.
Bei der Post stehen Tarifverhandlungen an. Ab Mai müsse ein neuer Tarifvertrag gelten. Bei einem Unternehmen mit
Milliardengewinnen müsse auch ein bisschen für die Arbeitnehmer rüberkommen. Die Gewinne gab es nur, weil die Mitarbeiter gut arbeiteten.
Das Unternehmen wolle aber gar nicht über diese Tariffragen reden. Wir sind für die Beschäftigten da, begründete er die
DPVKOM-Haltung, schlechte Tarifverträge nicht unterschreiben zu wollen.
Der Stammzusteller sei gerade im Betrieb Bamberg ein Thema. In anderen Bereichen komme jeden Tag ein anderer Zusteller. Es führe
zu mehr Fehlern, wenn man den Zustellbezirk nicht so gut kennt.
An der letzten Betriebsratswahl beteiligte sich im Bereich Bamberg 90 Prozent der Beschäftigten, wobei die Vertreter der DPVKOM 75
Prozent der Stimmen erhielten, erinnerte Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz Hacker (Rödental). Heuer werden die Verdi-Hochburg Würzburg und die
DPVKOM-Hochburg Bamberg vom 16. bis 18. Mai einen gemeinsamen Betriebsrat wählen. Bamberg habe etwas über 1000 Beschäftigte, Würzburg
mehr als 2000. Viel vor Ort zu sein spreche für die DPVKOM.
Für 25-jährige Mitgliedschaft Otto Baierlipp (Wilhelmsthal), Anton Martin (Teuschnitz) und Elmar Simon (Stockheim) geehrt.
Die Ehrennadel in Gold für 40-jährige Mitgliedschaft erhielten Harald Wagner (Kronach) und Alfred Zipfel (Ludwigsstadt). Gold 50
erhielten Eduard Schirner (Zeyern) und Siegfried Brandl (Marktrodach) für 50-jährige Mitgliedschaft.
Bei den Neuwahlen wurde die gute Arbeit der Vorstandschaft bestätigt. Auf weitere fünf Jahre bleibt Alfred Wich
Ortsvorsitzender der DPVKOM, seine Stellvertreter sind Otto Baierlipp und Volker Gehring (Vorgänger Bernhard Schneider kandidierte nicht mehr). Die
Kasse führt Peter Seidel. Kassenprüfer sind Eberhard Hofmann und Siggi Schneider. Schriftführer bleibt Erhardt Barthel. Vertreterin der
Senioren ist Hilde Dittenhöfer, Frauenvertreterin ist Sieglinde Ruß. Als Beisitzer wurden Mario Stingel, Jürgen Müller, Stefan
Biesenecker und Carolin Engelhardt gewählt.