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| | Die Wallfahrer auf dem Weg zur Nothelferbasilika in Vierzehnheiligen Foto: Marion Krüger |
VON UNSERER MITARBEI- TERIN MARION KRÜGER
Bamberg/Vierzehnheiligen - Johannes Wicht will ein Zeichen für gute Arbeit setzen. Der stellvertretende Vorsitzende des Stadtjugendrings
Bamberg begründet so seinen Fußmarsch zur Nothelferbasilika in Vierzehnheiligen. Dabei treibt ihn kein sportlicher Ehrgeiz. Und ausgesprochen
fromm ist diese Übung auch nicht. Johannes Wicht und 200 Weggefährten pilgern aus Sorge um den Arbeitsplatz oder in der Arbeitslosigkeit.
Arbeit ist Menschenrecht steht über dieser Wallfahrt, die die Katholische Arbeitnehmerbewegung, die Betriebsseelsorge und die
ökumenischen Arbeitslosenberatungsstellen organisiert haben.
Die Wallfahrt nimmt die Arbeit und die Arbeitswelt ins Gebet. Eine Arbeitswelt, die aus den Fugen geraten ist: immer mehr prekäre
Beschäftigungen, Leiharbeit, Lohn unterhalb des Existenzminimums, Kurzarbeit, Mobbing, Zeitdruck.
Johannes Wicht hat besonders die Jugend im Blick: Von 100 Jugendlichen in Bamberg haben nur fünfzig die Chance auf eine Arbeit, bringt
er die Geißel Jugendarbeitslosigkeit auf den Punkt.
Auch Wolfgang Reisky vom Berufsförderungszentrum Bamberg weiß von vielen Jugendlichen in der Warteschleife, die eine Ausbildung machen
wollen und keine Chance bekommen. Diese jungen Menschen tauchen in keiner Statistik auf.
Wolfgang Reisky gehen auch als evangelischem Christen die Litaneien und Fürbitten flüssig über die Lippen. Er fleht mit den vielen
Arbeitslosen in der Pilgerschar darum, Würde zu erfahren, gut behandelt zu werden, sinnvoll und erfüllt leben zu können. Ein
Gebetstext greift mahnend ein Wort des Apostels Paulus auf: Wenn ein Glied in der Gemeinde leidet, leiden alle Glieder mit.
In diesem Sinne zeigt sich Weihbischof Werner Radspieler solidarisch mit den Wallfahrern: So wie die Würde des Menschen nicht abgeschafft
werden kann, kann auch das Menschenrecht auf Arbeit nicht abgeschafft werden, ruft er ihnen beim Gottesdienst in der Basilika zu. Radspieler
erinnert an die besondere Verantwortung der Unternehmer für Arbeitsplätze, an die Pflicht, auch schwer Vermittelbare und Langzeitarbeitslose
wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern.
Auch im nächsten Jahr soll es wieder eine entsprechende Wallfahrt geben. Schließlich ist sich der Bamberger Betriebsseelsorger Norbert
Jungkunz sicher: Wegen der Finanzkrise wird die Arbeitslosigkeit wieder ansteigen. Schon heute steige der Beratungsbedarf angesichts von
Kurzarbeit und der Entlassung von Leiharbeitern.